Oft werde ich gefragt, ob WindelFREI im Winter überhaupt funktionieren kann.

Oder ich lese „ich beginne aber nicht ab Geburt, da mein Sohn im Winter zur Welt kommen wird“.

Das ist Quatsch!

Vergiss das!

Ok, zugegeben, im warmen Sommer Andalusiens ist WindelFREI deutlich easier: Pipiflecken trocknen innerhalb von Minuten und dein Kind kann den lieben langen Tag auch einfach komplett unten ohne bleiben – außerdem pinkeln wir Menschen seltener, wenn es warm ist.

Dennoch ist der Winter keine Ausrede für uns, mit WindelFREI später oder gar nicht zu starten!

Windelfrei im Winter ist artgerecht! 

Ja, wirklich!

Hast du dich mal gefragt, wie es die Inuit ohne Pampers machen?

In ihrer großen Sammlung an Hintergrundwissen, Nachforschungen und Studien zu WindelFREI und Töpfchentraining auf der ganzen Welt, „Infant Potty Training“, schreibt Laurie Boucke über die arktischen Regionen (S.442):

Toilet training is gentle and carried out by joyful and affectionate enticement. […] Toilet training is patiently but persistently pursued.

Wie geht dann das Abhalten in der Kälte? 

When the mother feels that her baby has to urinate, she takes the child out of the hood, often with the help of another woman.

Auch die Inuits nutzen Backups!

[…] when the mother goes on a long trip, she slips lichen or rabbit skin into her anorak to serve as a diaper. There is no specific material that is always used […]. […] each woman is inventive enough to improvise solutions, which are then repeated if they work well.

Auch in kalten Ländern gibt es keine Universallösung, sondern die Ausscheidungsbedürfnisse der Kinder werden individuell und flexibel berücksichtigt.

Kein Druck.

Kein Stress.

Aber auch keine 4 Jahre Super-Saug-Windel.

Wenn das bei bis zu MINUS 30 GRAD geht, dann sollten wir uns doch auch in unseren vergleichsweise milden Graden nicht von der Ausscheidungskommunikation abbringen lassen.

WindelFREI ist mehr als nur EIN Weg, das betone ich immer wieder.

Und NICHTS, wirklich NICHTS ist ein Argument gegen WindelFREI.

Denn in welchem Ausmaß du abhältst, ob du beobachtest oder deiner Intuition folgst, ob ihr Toiletten nutzt oder deinem Baby beim Pieseln die Windel vorhältst, ob du nur das morgendliche Pipikacka abfängst, oder dein Baby vollzeit trocken ohne Windeln krabbelt, das hängt von vielen Umständen ab – und ist nicht zuletzt deine ganz bewusste und persönliche Entscheidung! 

Flexible Normalität statt Einbahnstraße mit Hindernissen

Genau so wie Stillen an den unterschiedlichsten Orten und in ganz verschiedenen Situationen möglich ist, kannst du auch auf die Ausscheidungsbedürfnisse deines Kindes unter den unterschiedlichsten Umständen reagieren.

Wichtig ist nur, dass du die Umstände wahrnimmst und sie nicht als Hindernis betrachtest, sondern als Herausforderungen des Alltags, als Möglichkeit zum Umdenken, als flexible Normalität.

Windelfrei im Winter – geht’s noch?! 

Kann sein, dass du dich ständig erklären musst, wenn du sagst, dass ihr im Winter nicht einfach aufhört, Windelfrei zu machen. Naja, dein Kind hört ja dann auch nicht einfach mal auf zu signalisieren!

Logisch, oder?

Vielleicht bist du aber auch selbst unsicher, wie du es denn schaffen sollst, auf die Ausscheidungsbedürfnisse deines Kindes einzugehen, wenn es von gefühlten 10 Schichten Kleidung umhüllt ist, deren Reißverschlüsse und Knopf-Labyrinthe bestens in den Stofffalten verteckt sind und systematisch festhaken – natürlich genau dann, wenn du doch gerade mal zufällig ein Signal deines Babys aufgeschnappt hast und nun unbedingt zumindest DIESEN EINEN Pipi-Treffer diesen Tag haben möchtest!

4 Tipps, um windelFREI gelassen durch die Winterzeit zu kommen

1. Relax, relax, relax! 

Wenn mal weniger ins Töpfchen geht, ist das weder Schande noch Problem. Dein Baby wird auch erfolgreich überwintern, wenn WindelFREI einen kleinen Winterschlaf hält.

D.h. Zeiten, an denen nicht abgehalten werden kann, darf und wird es immer geben. Wenn die im Winter ausgedehnter sind, ist das weniger problematisch.

Wichtiger ist, dass ihr beide entspannt bleibt!

Der nächste Sommer kommt bestimmt und Gefestigtes wird nicht verlernt. Aber vergiss nicht, auch weiterhin in Kommunikation mit deinem Baby zu bleiben.

2. Bleib‘ flexibel und scanne deine Umgebung! 

Bisher konntet ihr bequem an den Grünflächen abhalten, wenn ihr unterwegs ward?

Klar, das geht auch im Winter.

Wenn dir das aber zu kalt erscheint oder das An- und Auskleiden dir zu viel Aufmerksamkeit erregt, überlege dir Alternativen und probiere sie aus.

Gibt es öffentliche Toiletten in der Gegend?

Hältst du doch lieber mit Windel ab und wechselst sie, sobald ihr an einem für euch geeigneten Ort seid?

Oder entdeckst du jetzt erst recht die Natur als Pipi-Ort für dein Baby?

Unter neuen Umständen heißt es flexibel bleiben, auch dein Baby wird dir zeigen, wenn Neues angesagt ist!

3. Der Winter kommt ja nicht ins Haus! 

Angst vor Schnee und Kälte?

Keinen Bock mehr draußen abzuhalten?

Gewissensbisse?

Warum!?

Wenn du möchtest, beschränkst du das Abhalten einfach eine Zeit lang auf euer Zuhause. Wie warm ihr es euch da macht, hat Petrus nicht in der Hand.

Da zieht IHR die Fäden!

Wenn draußen also doch nichts mehr geht, bleibt beim Zuhause-Pipikacka. Das ist kein Beinbruch, sondern Realismus gepaart mit Optimismus!

4. Überdenke eure Alltagskleidung! 

Zugegeben, dicker Einteiler ohne Reißverschluss über Zweiteiler über Body über Bindewindel ist eine abschreckende Kombi aus WindelFREI-Sicht.

Darum möchte ich dir hier meine Kleidungsstrategien vorstellen, dank denen ich mich auch traue, draußen abzuhalten, ohne vor Verzweiflung zu stöhnen und mich mit dem Reißverschluss anzulegen, bevor ich schließlich vor der dritten Kleidungsschicht doch kapituliere.

Eure persönliche Situation entscheidet!

Schau dir eure persönliche Situation an, dann wirst du sehen, dass es eben keine Einheitslösung gibt – aber eine Lösung für jede Situation:

 

1. Du hast ein junges Trage-Baby 

Perfekt! 

Du brauchst kaum Stoff, denn das Tragetuch und deine Jacke darüber ersetzen viele Lagen!

Perfekt für WindelFREI.

Am besten fährst du mit einem Zweiteiler, einer Schlitzhose oder einer WindelFREI-Leggings mit Loch im Schritt (Chaps). Darunter solltest du deinem Baby eine Minimal-Stoffwindel, wie die von LittleBunnyBear, vom Mokoshop oder ein ähnliches System, z.B. die Flopi vom Topffit Babyshop (in Deutschland über Abhala erhältlich) anziehen.

Dein Baby schläft meist im Kinderwagen?

Kein Problem, es ist unter der Decke so warm, dass du ein paar Lagen Stoff weglassen kannst, sodass du mit einem Zweiteiler oder Splitpants schnell abhalten kannst, wenn deine Maus wach wird.

Ein mindestens zwei Monate alter Säugling kann in der einfachen Kreuztrage getragen werden. Hier kann das Baby ganz unkompliziert und ohne viel Nachziehen aus dem Tragetuch herausgehoben und nach dem Abhalten wieder hineingesetzt werden. Das Tuch bleibt dabei an deinem Körper. Ähnlich verhält es sich mit modernen Tragesystemen.

Oder du trägst dein Baby in einem Tragetuch, das als Wickelkreuztrage gebunden ist. Dann empfehle ich dir, deinem Baby darunter keine Windel sondern lediglich eine Schlitzhose anzuziehen.

Du kannst dein Baby dann abhalten, während (!) es noch im Tuch ist und darin bleibt!

Wie?

So geht’s:

2. Du hast ein größeres Baby, das schon selbst laufen kann

… dann brauchst du ein paar Stofflagen mehr.

Und wie soll das dann mit dem Abhalten gehen?

Du hast zwei Möglichkeiten, auch bei viel Stoff schnellen Zugriff auf die Pipi-Kacka-Gegend deines Babys zu haben:

• du bleibst beim Zweiteiler-System: 

Dabei können Hosen und Oberteile sich weit überlappen, um die Kälte nicht hineinzulassen.

Die Hose sollte einen Gummizug haben, um leicht hoch- und heruntergezogen werden zu können. Wahlweise kann auch eine Winterlatzhose drübergezogen werden.

Mein Tipp: Die Latzhose ÜBER die Winterjacke ziehen, damit nicht auch noch die Jacke geöffnet werden muss, um das Pipi-machen zu ermöglichen. Dann heißt es, Schnallen der Latzhose auf, alle Hosen runter, abhalten, freuen, Hosen wieder hoch, Schnallen zu, fertig!

• Du machst lediglich die Pipi-Kacka-Gegend zugänglich: 

Ob Overall oder Wollhose, wichtig ist, dass die Pipi-Kacka-Gegend deines Kindes einen Zugang hat. Das kann ein Overall sein, der weit zu öffnen geht (ein Abhalte-Overall aus Wollwalk, z.B. von Emilino), eine Wollwalk-Latzhose/Genapants (z.B. von Das Bewegte Kind), eine Splitpants (z.B. im Abhala erhältlich), oder eine Windelfrei-Leggings sein.

Und darunter?

Die unterste Schicht, das Backup für den Fall der Fälle, sollte auf jeden Fall keine Fummel-10-Knopf-Stoffie sein.

Wenn ihr unterwegs abhalten wollt, dann ist eine Minimal-Stoffwindel euer bester Begleiter!

Oder wie siehst du das?

 

Hast du bereits einen WindelFREI-Winter hinter dir? Wie war es? Was sind deine besten Tipps?

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Ich bin Janina, die Initiatorin und Autorin hinter Leonina frei & geborgen. ich berate und begleite Mamis auf ihrem ganz eigenen WindelFREI-Weg! Schau mal, auf Windelfreibaby.de, der Artgerecht-Plattform, auf Einfach-abhalten.de und auf der Seite des Mokoshop bin ich mit noch vielen anderen WindelFREI-Coaches aufgelistet. Findest du einen Coach in deiner Nähe? Übrigens: Ich berate dich auch online und biete auch Online-Kurse rund um WindelFREI an. So kannst du unbeschränkt von mir begleitet werden – egal, wo auf der großen weiten Welt du gerade mit deinem Baby unterwegs bist.

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